Title: Interview mit Katrin Zirkel: Leistungsdruck und Schulstress
Author: RegioHelden
Published: 24. März 2025
Last modified: 19. März 2026

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# Interview mit Katrin Zirkel: Leistungsdruck und Schulstress

 Veröffentlicht am 24. März 202519. März 2026

In unserem Interview mit Katrin Zirkel haben wir die Bochumer Heilpraktikerin für
Psychotherapie und Burnout-Beraterin zum Thema Leistungsdruck und Schulstress bei
Kindern befragt.

### Liebe Frau Katrin Zirkel: Wie Studien belegen, können auch Kinder – ähnlich wie wir Erwachsene – ein Gefühl des Ausgebrannt-Seins empfinden. Spricht man in diesem Fall auch bei Kindern von Burn-out?

Der Begriff **Burn-out** wird im engeren Sinne nur für Erschöpfungszustände im Beruf
verwendet, wenn man sich für die Arbeit zu sehr verausgabt. Aber das bedeutet ja
nicht, dass nicht auch Kinder das Gefühl des Ausbrennens erleben können. Wie auch
bei Erwachsenen ist dabei oft der Anspruch an sich selbst zu hoch. Meist betrifft
ein **Burn-out** Tätigkeiten, die wir eigentlich sehr gerne machen. Manchmal geben
wir einfach zu viel und achten nicht mehr auf die Signale, die sagen „Hey, ich brauche
mal eine Pause“.

### Was sind die Gründe dafür?

Das kann individuelle Ursachen haben. Bei Jugendlichen ist es oft der **Druck von
außen**, durch die sogenannte Peergruppe, also Gleichaltrige. Und in Zeiten von 
Social Media und Co. beschränkt sich diese Peergruppe nicht nur auf den Freundeskreis
und die eigene Klasse. Jugendliche vergleichen sich im Grunde mit der ganzen Welt.
Das kann immensen **Druck** ausüben, vor allem, da man sich in der Social Media 
Welt in der Regel nur von seiner besten Seite zeigt.

detailblick-foto – stock.adobe.c

Ein weiterer Grund ist das große „Feld der Möglichkeiten“. Unseren Kindern steht
vor allem beruflich die ganze Welt offen. Diese **„Qual der Wahl“** kann befreiend
sein, aber auch Angst machen. Damit einher geht dann auch der **Leistungsdruck**
in der Schule, da man in der schnelllebigen Welt oft das Gefühl hat, nicht gut genug
zu sein. Viele Jugendliche aber auch Kinder haben dadurch auch an sich selbst enorme
Ansprüche. Und manchmal halten sie ihrem eigenen Druck nicht stand.

Manchmal erzeugen aber auch die Eltern den **Druck**. Zum Beispiel, wenn sie sich
etwas für ihr Kind wünschen, was sie selbst nie erreicht haben, was aber überhaupt
nicht mit dem Wesen des Kindes vereinbar ist. Oder wenn sich Eltern und/ oder Kinder
zu Dingen verpflichtet fühlen, weil „alle anderen das auch so machen“. Wenn aber
unser generelles Stresslevel hoch ist, rutschen wir schnell in die Überforderung.
Denn unverarbeiteten **Stress** nehmen wir unbewusst auch in andere Lebensbereiche
mit.

### Welche Folgen kann das haben?

Die Folgen eines dauerhaften **Stresszustandes** können sich sehr individuell äußern.
Häufiges **Warnsignal** ist eine deutliche Veränderung des Verhaltens – bis hin 
zu Verhaltensauffälligkeiten. Dabei gibt es Kinder und Jugendliche, die eher „nach
vorn“ reagieren. Das heißt, sie werden aggressiv, unkontrolliert, toben, schreien
und trampeln oder reagieren ungehalten und trotzig.

Andere Kinder wiederum ziehen sich zurück, sprechen weniger, haben kein Interesse
mehr an sozialen Kontakten oder sind traurig, ängstlich oder besorgt. Wie auch bei
Erwachsenen können sich daraus langfristig auch **Krankheitsbilder** wie Depressionen
oder Angststörungen entwickeln.

### Was sind typische Warnsignale, die auf eine Überforderung des Kindes hindeuten könnten?

Die Signale können vielschichtig sein. Neben den oben genannten **Verhaltensauffälligkeiten**
können auch Lernblockaden, Schlafstörungen, plötzlich auftretende irrationale Ängste
wie z. B. die Entwicklung einer Höhenangst, Fremdeln, Weinattacken oder erneutes
Einnässen ein Zeichen sein, dass es gerade zu viel ist. Die meisten Kinder können
die **Überforderung** nicht artikulieren. Sie leben ihre **Überforderung** in den
Symptomen aus, die ein Hilfeschrei des Körpers sind, dass hier etwas zu viel ist.

### Glauben Sie, dass durch das vergangene Corona-Jahr mehr Kinder betroffen sind?

Es gibt im psychologischen Bereich leider immer auch eine **Dunkelziffer**. Sicher
ist aber, dass festgestellte psychische Erkrankungen durch Corona sprunghaft angestiegen
sind. Ich denke aber, dass viele mögliche **Erkrankungen** bislang noch **unentdeckt**
geblieben sind. Denn oftmals vergeht einige Zeit zwischen Festigung eines Krankheitsbildes
und der abschließenden Diagnose.

Insbesondere bei Kindern kann dieser Prozess des Erkennens einige Zeit dauern. Daher
sollten wir jetzt handeln, bevor sich die Zahlen weiter nach oben korrigieren. Denn
wenn man frühzeitig ansetzt, kann eine gefestigte Erkrankung oftmals noch vermieden
werden.

### Inwiefern spielt in diesem Zusammenhang auch der Stress der Eltern eine Rolle?

Kinder sind – nicht nur in Zeiten von Corona – ein Spiegel von uns. Kinder und Jugendliche
spüren sehr deutlich, wenn die **Eltern gestresst** sind oder es ihnen nicht gut
geht. Auch, wenn man nicht darüber spricht. Kinder machen sich dann oft dafür verantwortlich
oder versuchen, die Eltern zu unterstützen und Verantwortung zu übernehmen. Und 
dabei können sie sich **übernehmen**.

Und gerade während der Krise haben die Kinder sehr deutlich die **Sorgen und Ängste
der Eltern** gespürt. Aber auch andere Erwachsene können unbewusst zum **Stressfaktor**
werden. So haben Studien ergeben, dass Schulkinder vor allem die Lautstärke in der
Klasse als Stressor empfinden. Direkt an zweiter Stelle standen aber Lehrer, die
die Lautstärke nicht in den Griff bekommen und deren Stress sich dann auf die Kinder
überträgt.

### Wie können Eltern ihre Kinder gerade jetzt unterstützen?

Ich denke, es ist wichtig, dass Kinder jetzt die Sommerferien in vollen Zügen genießen
dürfen. Statt Unterrichtsstoff aufzuholen, sollten wir den Kindern eine **schöne
Zeit** gönnen und sie Kind sein lassen. Sie sollten Zeit mit ihren Freunden, Spielen,
Hobbys und anderen schönen Aktivitäten verbringen, aus denen sie Kraft ziehen. Es
ist auch wichtig, den Kindern diese **Entlastung** klar zu signalisieren.

Die Kinder haben ein hartes Jahr hinter sich. Jetzt ist es wichtig, wieder ein **
stabiles Umfeld** aufzubauen, Kontakte zu pflegen und eine sichere Stütze zu sein.
Eltern sollten vor allem auch Freizeitaktivitäten abseits von Computer und Handy
anbieten. Denn viele Kinder sind mangels Alternativen tief in die **Mediennutzung**
abgerutscht – das wird langfristig noch ein anderes Thema werden.

Darüber hinaus ist es immer wichtig, ein offenes Ohr für die Themen der Kinder zu
haben. Was beschäftigt sie gerade? Wir Erwachsenen unterschätzen, was das Jahr mit
den Kindern gemacht hat. Und es ist wichtig, den Kindern zu signalisieren, dass 
es **Lösungen** gibt, die für alle gut sind.

### Womit können Kinder im Falle von akuten Stresssituationen noch Kraft tanken?

Eigentlich gilt: Alles, was Spaß und Freude macht, kann eine **Kraftressource** 
sein. Am besten lässt man die Kinder auch mal selbst entscheiden, worauf sie gerade
Lust haben. Viele Kinder können beim Hobby auftanken.

Aber ein zu** durchgetakteter Alltag** mit zu vielen Freizeitaktivitäten kann auch
ein **Auslöser von Stress** sein. Man sollte sich fragen, wer möchte, dass das Kind
diese Aktivität macht: das Kind selbst, oder doch eher die Eltern oder die Peergruppe?
In der Regel wissen Eltern aber instinktiv, was gut ist für ihr Kind. Man sollte
als Eltern auch auf sich selbst schauen: Bin ich hier im** Stress**? Wie kann ich
mich verändern? Lasse ich mich zu sehr von Meinungen anderer beeinflussen? Und sich
daran erinnern, dass es immer eine Chance gibt, etwas zu verändern, wovon dann alle
profitieren.

_Katrin Zirkel ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und bietet in ihrer Bochumer
Praxis an der Kortumstraße 65 mit „Vorne. Weg.“ Sprechstunden speziell für Kinder
und für Jugendliche an. Ziel ist es dabei, mithilfe von Beratung, Coaching oder 
Therapie eigene Wege zu gehen, Blockaden zu lösen, Verhaltensmuster zu ändern und
sich selbst zu finden – und auch gut zu finden._

_Um das zu erreichen, setzt Katrin Zirkel z. B. Methoden aus der systemischen Beratung
und speziellem Emotions- und Leistungscoaching ein. Schon eine bis drei Coachingstunden
können Kinder von Leistungsstress, Ängsten und Sozialstress befreien und positive
Emotionen und Zuversicht ansprechen._

_Mit einem minimalen Coaching-Einsatz speziell auf die Themen und Bedürfnisse von
Kindern ausgerichtet, kann wieder Freude und Spaß in den normalen Alltag einkehren.
Zum Kennenlernen sind die ersten 30 Minuten eines unverbindlichen Erstgesprächs 
kostenfrei. Für weitere Beratungen fällt ein Honorar von 80 Euro pro Stunde an. 
Die Leistungen werden in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen._

_Weitere Infos zur [Sprechstunde für Kinder](https://www.katrin-zirkel.de/therapie/sprechstunde-fuer-kinder/)._

Quelle: Revierkind, Julia Schröder

[Zum Artikel](https://www.revierkind.de/interview-mit-katrin-zirkel/)

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